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Der richtige Schläger: Länge, Flex und Biegung

Wie ihr für ein U13-Kind den passenden Schläger auswählt – Länge, Flex, Biegung und Lie verständlich erklärt, mit Rechner und Checkliste für den Laden.

Aktualisiert am 29. September 202612 Min. Lesezeit

  • Schläger
  • Ausrüstung
  • Kaufberatung

Im Laden hängen fünfzig Schläger an der Wand, alle sehen gleich aus, und auf dem Schaft stehen Zahlen wie P28 oder Flex 50. Dieser Artikel erklärt, was diese Angaben bedeuten und welche davon bei einem U13-Kind wirklich einen Unterschied machen.

Warum der Schläger überhaupt zählt

Der Schläger ist das einzige Ausrüstungsstück, das dein Kind bei jeder einzelnen Aktion benutzt. Ist er zu lang, steht das Kind zu aufrecht und verliert Balance und Tempo. Ist er zu hart, kann es ihn beim Schuss nicht durchbiegen – und genau diese Biegung schleudert den Puck weg. Ein viel zu weicher Schläger wiederum bricht schneller und der Schuss wird ungenau.

In diesem Alter wächst ein Kind schnell. Plant deshalb eher mit einem Schläger, der jetzt passt, als mit einem, in den es erst hineinwachsen soll.

Länge: bis zur Nase

Die Messmethode ist einfach und funktioniert in jedem Laden:

  1. Stell das Kind ohne Schlittschuhe gerade hin, in Turnschuhen.
  2. Der Schläger steht senkrecht vor ihm, die Kelle mit der Spitze auf dem Boden.
  3. Das obere Ende soll etwa bis zur Nase reichen.

Mit Schlittschuhen ist man rund fünf Zentimeter höher – dort reicht derselbe Schläger dann bis zum Kinn. Beide Regeln meinen dieselbe Länge, nur unterschiedlich gemessen.

Als Zahl: die Schlägerlänge entspricht grob der Körpergrösse minus 12 Zentimeter.

Schläger-Rechner
Nase
Schlägerlänge
138 cm
vom Boden bis zur Nase, ohne Schlittschuhe gemessen
Grösse
Junior
üblicher Flex-Bereich dieser Grösse: 30–50
Flex
29–35
Richtwert 32 (Körpergewicht in kg minus 8)

Wird der Schläger um 2.5 cm gekürzt, wird er rund 5 Flexpunkte härter. Wer viel kürzen muss, kauft also besser gleich einen weicheren Schläger.

Ein paar Zentimeter Spielraum sind normal. Wer viel Puckkontrolle und schnelle Hände will, nimmt eher das kürzere Ende, wer in der Verteidigung Reichweite braucht, das längere. Für U13 gilt: lieber etwas zu kurz als zu lang.

Flex: Lieber etwas weniger

Der Flex beschreibt, wie stark sich der Schaft biegen lässt. Die Zahl auf dem Schläger ist die Kraft in Pfund, die es braucht, um ihn einen Zoll durchzubiegen. Kleine Zahl = weicher Schläger.

Die Faustregel lautete bisher: Flex ≈ Körpergewicht in kg. Ein Kind mit 40 kg braucht demnach etwa 40 Flex.

Unsere Empfehlung ist lieber etwas weicher: Körpergewicht in kg - 8. Das heisst, ein Kind mit 40 kg braucht demnach etwa Flex 32. Wenn nötig lieber eine Schlägerverlängerung dran.

Darum gilt: so wenig wie möglich ändern. Vergleicht im Laden verschiedene Längen und Modelle. Nehmt den Schläger, bei dem am wenigsten gekürzt oder verlängert werden muss.

Ein Beispiel: Das Kind braucht 140 cm. Schläger A ist 147 cm lang und müsste um 7 cm gekürzt werden. Schläger B ist 136 cm lang und braucht eine Verlängerung von 4 cm. Dann ist Schläger B die bessere Wahl.

Kick Point: wo sich der Schläger biegt

Der Kick Point ist die Stelle am Schaft, an der sich der Schläger beim Schuss am stärksten durchbiegt. Der Flex sagt, wie stark sich ein Schläger biegen lässt, der Kick Point sagt, wo. Jeder Schläger hat einen, auch wenn es nicht immer auf der Verpackung steht.

Wo sich der Schaft biegt
  • Mid Kick

    Biegt sich in der Mitte des Schafts. Lädt langsamer, gibt dafür viel Wucht.

  • Hybrid

    Die Biegezone ist länger und liegt zwischen Mid und Low. Verzeiht am meisten.

  • Low Kick

    Biegt sich knapp über der Kelle. Lädt sehr schnell, braucht aber Technik.

Mid Kick. Die Biegung sitzt in der Mitte des Schafts, ungefähr dort, wo die untere Hand liegt. Der Schläger braucht etwas länger, bis er geladen ist, gibt dann aber viel Energie ab. Das ist der klassische Schläger für Handgelenkschuss und Slapshot.

Low Kick. Die Biegung sitzt knapp über der Kelle. Der Schläger lädt sehr schnell und ist für den Snapshot gebaut – den kurzen Schuss aus dem Handgelenk, ohne Ausholen. Das funktioniert nur, wenn die Technik stimmt: Wer den Puck noch von hinten nach vorn schiebt, statt ihn kurz anzudrücken, bekommt aus einem Low Kick wenig heraus.

Hybrid. Die Biegezone ist länger und liegt zwischen Mid und Low. Der Schläger gibt bei fast jeder Schusstechnik etwas mit und verzeiht deshalb am meisten.

Der Kick Point auf der Verpackung gilt für den Schläger, wie er aus dem Laden kommt. Stark gekürzt oder stark verlängert biegt er sich an einer anderen Stelle als geplant. Aus einem Mid Kick wird dann nicht mehr ganz das, was ihr gekauft habt.

Fast jeder grosse Hersteller hat für jeden Kick Point mindestens eine eigene Schlägerlinie. Wenn ihr wisst, welchen Kick Point ihr sucht, hilft diese Übersicht im Laden. Eine Kaufempfehlung ist sie nicht.

Hersteller Mid Kick Hybrid Low Kick
CCM Tacks Jetspeed Trigger
Warrior Novium Alpha LX Covert
Bauer Nexus Pulse (Bauer nennt es „Fusion”) Vapor (z. B. Flylite, Hyperlite)
Sherwood True Touch Code Rekker

Die Modellnamen innerhalb einer Linie ändern sich fast jedes Jahr. Die Linie selbst und ihr Kick Point bleiben meistens gleich.

Die Grössenklassen

Die Hersteller liefern Schläger in vier Baugrössen. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Länge, sondern auch im Schaftumfang und in der Kellengrösse – ein Senior-Schläger fühlt sich in Kinderhänden auch dann falsch an, wenn er gekürzt wurde.

Beim Schaft sind die Unterschiede nur ein paar Millimeter. Ein Senior-Schaft ist rund 3 mm breiter und 2 mm dicker als ein Junior-Schaft. Das klingt nach wenig. Eine Kinderhand spürt es aber: Sie kann den dickeren Schaft weniger fest umschliessen, und das kostet Kontrolle beim Stickhandling und beim Schuss.

Schaftquerschnitt im Vergleich (massstabsgetreu, vergrössert)
  • Senior30 × 20 mm · Umfang ca. 93 mm
  • Intermediate28 × 19 mm · Umfang ca. 87 mm
  • Junior27 × 18 mm · Umfang ca. 83 mm

Die Masse sind Richtwerte, von Hand nachgemessen. Wie rund die Ecken sind und welche Form der Schaft genau hat, ist je nach Modell verschieden:

Schaftformen bei gleicher Grösse
  • Eckig

    Deutliche Kanten. Die Hand spürt gut, wie der Schläger steht.

  • Abgerundet

    Weiche Ecken. Liegt angenehm in der Hand und dreht sich leicht.

  • Nach innen gewölbt

    Die breiten Seiten sind leicht eingedellt. Die Finger finden mehr Halt.

  • Fünfeckig

    Eckig, aber eine breite Seite läuft flach zu einer Spitze zu (z. B. Bauer Nexus Sync).

Welche Form besser ist, gibt es nicht. Das ist Geschmackssache. Lasst das Kind im Laden mehrere Schläger in die Hand nehmen und nehmt den, der sich gut anfühlt.

Grösse Körpergrösse Typischer Flex Alter (grob)
Youth (Yth) bis ca. 140 cm 20–35 bis 8 Jahre
Junior (Jr) ca. 140–160 cm 30–50 8–13 Jahre
Intermediate (Int) ca. 155–175 cm 50–65 12–15 Jahre
Senior (Sr) ab ca. 170 cm 65–85 ab 14 Jahren

Die meisten U13-Kinder landen bei Junior, die grössten bereits bei Intermediate.

Ein Schläger ist für Links- oder Rechtsschützen gebaut, und das hat nichts mit der Schreibhand zu tun. Die stärkere Hand gehört nach oben, an den Knauf – sie führt den Schläger. Ein Rechtshänder schiesst deshalb erstaunlich oft links.

So findet ihr es heraus: Gebt dem Kind einen Besen und lasst es ohne Nachdenken kehren. Welche Hand oben liegt, zeigt die Seite. Ist die linke Hand unten am Schaft, ist es ein Linksschütze.

Wechselt das später nicht mehr. Die Seite, die sich mit 11 Jahren natürlich anfühlt, ist die richtige.

Biegung, Lie und der ganze Rest

Diese Angaben stehen auf jedem Schläger und sind für U13 nachrangig. Trotzdem kurz erklärt, damit ihr im Laden nicht ratlos dasteht:

Die Biegung beschreibt, wie die Kelle gebogen ist:

  • Heel curve – die Biegung beginnt am Absatz. Gut für harte Schüsse vom Boden (p88).
  • Mid curve – die Biegung sitzt in der Mitte. Der Allrounder, und die richtige Wahl, wenn ihr unsicher seid (p92/p29.
  • Toe curve – die Biegung sitzt vorn an der Spitze. Für Spieler, die viel mit der Spitze arbeiten und Pucks schnell hochziehen (p28).

Dazu kommt die Öffnung: eine offene Kelle hebt den Puck leichter an, eine geschlossene hält ihn flacher am Eis. Für ein Kind, das noch an der Puckkontrolle arbeitet, ist eine mittlere Biegung mit moderater Öffnung die unkomplizierteste Wahl.

Der Lie ist der Winkel zwischen Schaft und Kelle, angegeben als 5, 5.5 oder 6. Er stimmt, wenn die Kelle in normaler Fahrposition flach auf dem Eis liegt. Steht die Spitze hoch, ist der Lie zu hoch; schleift nur die Spitze, ist er zu tief. Schaut nach dem Training auf die Unterseite der Kelle: die Abnutzung zeigt, wo der Schläger wirklich aufliegt. Lie 5 ist der übliche Wert für die meisten Jugendschläger.

Wir empfehlen p92/p29, weil es ein guter Allrounder ist und gut verfügbar ist. Alternativ p28 (Toe Curve).

Holz oder Composite?

Holzschläger gibt es fast nur noch für die Kleinsten. Alles ab Junior ist praktisch immer Composite, also Karbon und Glasfaser.

  • Einsteiger-Composite (ca. 60–100 Euro) – etwas schwerer, dafür robust. Für U13 reicht das.
  • Mittelklasse (ca. 120–200 Euro) – leichter, besseres Schussgefühl. Der Unterschied zum Einsteigermodell ist deutlich spürbar. Kein Muss, aber eine echte Hilfe.
  • Profimodelle (ab 200 Euro) – sehr leicht, sehr dünnwandig, und genau deshalb empfindlich. In dieser Altersklasse rausgeworfenes Geld.

Was die Profis wirklich spielen

Auf den Schlägern der Profis steht meistens das neueste Modell der Marke. Gespielt wird aber oft etwas anderes: ein Schläger, den der Hersteller nach den Wünschen des Spielers baut, mit eigener Biegung, eigenem Flex und eigenem Kick Point. Die Grafik darauf ist Werbung für das Modell, das im Laden hängt. Manche Profis spielen unter der neuen Lackierung sogar ein Modell, das es seit Jahren nicht mehr zu kaufen gibt.

Lasst euch davon nicht beeindrucken. Der Schläger, den euer Kind im Fernsehen sieht, ist nicht der, der im Laden hängt.

Dazu kommt: Die teuersten Modelle sind auf Leistung gebaut, nicht auf Haltbarkeit. Sie sind leichter und dünnwandiger und brechen deshalb schneller. Profis bekommen ihre Schläger in grossen Mengen vom Hersteller, für sie ist ein gebrochener Schläger kein Problem. Für euch schon.

Kleinere Hersteller

Neben den grossen Marken gibt es kleinere Firmen, die ihre Schläger direkt online verkaufen, ohne Laden dazwischen. Zwei Beispiele:

Pro Stock Hockey Sticks aus Kanada. Das Hybrid-Modell heisst VF und ist für seinen Preis sehr gut. Als Junior kostet es rund 90 bis 120 US-Dollar. Der Haken: Der Versand nach Europa kostet rund 30 bis 40 Euro, und dazu kommen Einfuhrumsatzsteuer und unter Umständen Zoll. Ab einem Bestellwert von rund 230 Euro fällt der Versand weg, das sind etwa drei Schläger. Es lohnt sich deshalb vor allem, wenn mehrere Familien zusammen bestellen.

MyHockeyStick aus der Slowakei. Die Schläger heissen PHAZE, das Hybrid-Modell ist der PHAZE Predict. Junior kostet 159 Euro, Intermediate 169 Euro. Weil die Firma in der EU sitzt, gibt es keinen Zoll, und ab zwei Schlägern ist der Versand kostenlos. Junior gibt es allerdings nur mit Flex 40 – für leichte Kinder ist das eher zu steif.

Der Nachteil bei beiden: Ihr könnt den Schläger vor dem Kauf nicht in die Hand nehmen.

Griffband

Der Knauf am oberen Ende ist Pflicht – ohne ihn rutscht die Hand vom Schläger, und in vielen Ligen kontrollieren die Schiedsrichter das. Baut ihn selbst: Griffband mehrfach um das Ende wickeln, bis ein fühlbarer Wulst entsteht, dann glatt überkleben. Als Minimum sollte zumindest das Endstück mit Tape gesichert sein, damit es nicht rausfällt.

Am Schaft ist alles Geschmackssache. Verbreitet sind eine Spirale von oben nach unten oder einzelne Ringe im Abstand von wenigen Zentimetern. Auf die Kelle gehört Schlägertape: es schützt das Material, macht den Puck ruhiger und erleichtert das Annehmen.

Wann ein Schläger kaputt ist

Ein Composite-Schläger bricht selten sauber durch. Achtet auf diese Zeichen:

  • Ein dumpfes Geräusch statt des gewohnten hellen Klangs beim Schuss.
  • Ein weisser Riss oder eine Delle im Karbon.
  • Der Schaft fühlt sich an einer Stelle weich an oder knackt beim Biegen.

Ein angeknackster Schläger bricht beim nächsten harten Schuss. Reparieren lohnt sich nicht.

Checkliste für den Laden

  • Kind mitnehmen – ohne Anprobe wird es Glückssache
  • Schussseite mit dem Besentest bestimmt
  • Länge geprüft: Schlägerende an der Nase, ohne Schlittschuhe
  • Flex passend zum Gewicht, unter Berücksichtigung dessen, was gekürzt wird
  • Den Schläger gewählt, bei dem am wenigsten gekürzt oder verlängert werden muss
  • Richtige Baugrösse, nicht nur die richtige Länge
  • Kick Point: Hybrid oder Mid, solange der Snapshot noch nicht sitzt
  • Mittlere Biegung, wenn ihr euch nicht sicher seid (p92/p29)
  • Knauf und Griffband eingeplant