Schlittschuhe schleifen: Hohlschliff verständlich erklärt
Was beim Schleifen mit der Kufe passiert, welcher Hohlschliff für U13 sinnvoll ist, wie oft geschliffen werden muss – und wie ihr selbst prüft, ob die Kanten noch gut sind.
„Die müssen mal wieder geschliffen werden.” Diesen Satz hört ihr am Eisrand ständig. Was dabei genau passiert und warum die Zahl, die ihr dem Schleifer nennt, einen so grossen Unterschied macht, erklärt dieser Artikel.
Was beim Schleifen passiert
Schaut euch eine Kufe von unten an: sie ist nicht flach. In der Mitte verläuft eine Rille, links und rechts davon bleiben zwei scharfe Kanten stehen. Diese Kanten schneiden ins Eis – sie sind der Grund, warum man überhaupt Kurven fahren und bremsen kann.
Beim Schleifen läuft die Kufe über einen Schleifstein, der genau in dieser Rundung abgerichtet wurde. Die Maschine trägt Material ab, bis die Rille wieder sauber ist und beide Kanten gleich hoch stehen.
Die Rundung wird als Radius angegeben, meistens in Zoll: 1/2”, 5/8”, 3/4”. Man nennt sie Hohlschliff, auf Englisch hollow oder ROH (radius of hollow).
Der Radius: Grip gegen Gleiten
Hier ist die eine Regel, die ihr euch merken müsst:
Kleiner Radius = tiefe Rille = viel Grip, wenig Gleiten. Grosser Radius = flache Rille = wenig Grip, viel Gleiten.
Das wirkt im ersten Moment verdreht, ist aber logisch: ein kleiner Kreis ist stärker gekrümmt, also wird die Rille tiefer und die Kanten stehen spitzer heraus.
Rillentiefe 0.089 mm in der Zeichnung stark vergrössert
Der Standard in den meisten Shops. Guter Kompromiss – ein sinnvoller Startpunkt.
Die Rille ist dabei erstaunlich flach – bei 1/2” sind es weniger als ein Zehntelmillimeter. In der Zeichnung oben ist sie stark vergrössert dargestellt.
Welcher Hohlschliff für U13?
Die meisten Shops schleifen ohne Nachfrage auf 1/2”, manche auch auf 5/8. Das ist ein brauchbarer Ausgangspunkt.
Entscheidend ist das Gewicht. Wie stark eine Kante ins Eis schneidet, hängt davon ab, wie viel Gewicht darauf drückt. Ein 90-Kilo-Spieler presst die Kanten tief ins Eis; ein 35-Kilo-Kind schafft das nicht annähernd. Deshalb gilt:
Probiert einen flacheren Schliff aus
Viele U13-Kinder fahren mit 5/8” deutlich besser als mit 1/2” – sie laufen leichter und verlieren dabei kaum Halt.
Flat Bottom V: der Schliff, der wie ein Trapez aussieht
Neben dem runden Hohlschliff gibt es Schliffe mit flachem Boden. Der bekannteste heisst Flat Bottom V, kurz FBV. Die Rille hat einen flachen Boden und schräge Seiten wie ein V. Von vorn sieht sie aus wie ein Trapez.
Je nach Schleifmaschine heisst das anders. Bei Sparx-Maschinen gibt es dafür den FIRE-Schleifring. Dort sind die Seiten rund wie beim normalen Hohlschliff, nur der Boden ist abgeflacht. Die Idee ist bei allen Varianten dieselbe.
Hohlschliff
Runde Rille. Der Klassiker, den jeder Schleifer kann.
Flat Bottom V
Flacher Boden, schräge Seiten. Sieht aus wie ein Trapez.
Flacher Boden, runde Seiten
Seiten wie beim Hohlschliff, unten abgeflacht (z. B. FIRE).
Die Idee dahinter. Die Kanten greifen ähnlich wie bei einem tieferen Hohlschliff. Weil der Boden flach ist, sinkt die Kufe aber weniger ins Eis ein und gleitet leichter. Sparx gibt für seinen Schliff an: Ein 1/2”-FIRE-Schliff hat den Grip von 1/2” und das Gleiten von 11/16”.
Was das für U13 heisst. Leichte Kinder drücken die Kanten nur wenig ins Eis. Für sie kann ein flacher Boden angenehm sein: Halt beim Abstoppen, trotzdem leichtes Laufen. Ein Muss ist es nicht. Ein flacherer runder Hohlschliff wie 5/8” geht in eine ähnliche Richtung – und den kann jeder Schleifer.
Wie oft schleifen?
Rechnet nicht in Wochen, sondern in Eisstunden. Ein guter Startwert sind 15 bis 20 Stunden auf dem Eis. Bei drei Trainings pro Woche ist das etwa alle zwei bis drei Wochen.
Das ist aber nur ein Richtwert. Schneller stumpf werden die Kanten durch:
- Hartes, kaltes Eis (Hallen im Winter, frisch nach der Eismaschine)
- Schlechte Angewohnheiten, allen voran ein paar Schritte auf Beton oder Fliesen
- Kufenschoner, die nass eingepackt werden – dann rostet der Stahl
Selbst prüfen, ob die Kanten noch gut sind
Ihr müsst dafür kein Profi sein. Drei Tests, die auch am Eisrand funktionieren:
Der Fingernageltest. Zieht einen Fingernagel quer – nicht längs! – über die Kante. Ist sie scharf, schabt sie eine feine Spur vom Nagel ab. Rutscht der Nagel einfach drüber, ist die Kante rund. Prüft beide Kanten jeder Kufe, sie können unterschiedlich abgenutzt sein.
Fühlen und schauen. Fahrt mit dem Daumen vorsichtig längs über die Kante. Kerben und Dellen spürt man sofort. Haltet die Kufe zusätzlich gegen das Licht: eine scharfe Kante wirft keinen glänzenden Streifen, eine runde schon.
Das Kind fragen. Das ist der zuverlässigste Test. Wenn es beim Abstoppen oder in engen Kurven wegrutscht, sind die Kanten fällig.
Kufen richtig behandeln
Hier wird der grösste Teil des Schadens angerichtet – nicht auf dem Eis.
- Läuft nie auf hartem Boden. Beton, Fliesen, Metallroste: ein einziger Schritt macht den frischen Schliff kaputt. In der Garderobe und auf dem Weg zum Eis gehören Hartplastik-Kufenschoner an die Schlittschuhe.
- Zum Lagern gehören sie ab. Für die Tasche nehmt ihr Stoff-Soaker. Hartplastik schliesst Feuchtigkeit ein, und der Stahl rostet über Nacht.
- Immer trocken wischen. Nach jedem Training die Kufen mit einem Lappen abwischen, bevor die Soaker draufkommen. Das dauert zehn Sekunden und verhindert Rostflecken, die später ausgeschliffen werden müssen.
- Schlittschuhe offen trocknen lassen. Nicht in der geschlossenen Tasche im Auto vergessen.
Beim Schleifer
Was ihr sagt: „Bitte auf 5/8”“ – oder eben auf den Radius, den ihr euch notiert habt. Ohne Angabe schleift der Shop auf seinen Standard, und der kann sich von Shop zu Shop unterscheiden.
Ein Schliff kostet je nach Shop 8 bis 12 Euro und dauert ein paar Minuten. Das erste Einschleifen von neuem Stahl kostet rund 20 Euro, weil dafür mehr Durchgänge nötig sind. Lasst euch, wenn möglich, immer beim selben Schleifer bedienen: Maschinen und Gewohnheiten sind unterschiedlich, und ein gleichbleibendes Ergebnis ist mehr wert als ein paar Euro Ersparnis.
Nach dem Schleifen müssen beide Kanten gleich hoch sein. Sonst zieht das Kind auf einer Seite weg. Von Auge seht ihr das kaum. Der Schleifer prüft es mit einem Kantenprüfer, einem speziellen Messwerkzeug – hier müsst ihr dem Shop vertrauen. Ein Grund mehr, immer zum selben Schleifer zu gehen. Zieht das Kind nach dem Schleifen auf einer Seite weg, sprecht den Schleifer darauf an.
Selber schleifen
Schleifmaschinen für zu Hause sind in den letzten Jahren richtig gut geworden. Ein bekanntes Beispiel ist der Schleifer von Sparx. Ein Anbieter aus Europa ist ProSharp aus Schweden, der seit 2021 zu Bauer gehört. Wir nennen die Namen, damit ihr wisst, wonach ihr fragen könnt – eine Kaufempfehlung ist das nicht.
Bei Sparx gibt es statt eines Schleifsteins Schleifringe. Jeder Ring hat einen festen Radius: Für 5/8” braucht ihr einen 5/8”-Ring. Auch die flachen FIRE-Schliffe von oben laufen über eigene Ringe.
Was es kostet. Ein Starterset liegt bei rund 1300 Euro. Darin sind ein Schleifring, ein Abziehstein für den Grat bei normalem Stahl und ein Kantenprüfer. Für beschichteten Stahl braucht ihr einen speziellen Abziehstein, der noch einmal rund 25 Euro kostet.
Jeder weitere Schleifring kostet rund 80 Euro. Laut Sparx reicht ein Ring für etwa 40 bis 60 Schliffe – weniger, wenn die Kufen sehr stumpf sind, bevor sie geschliffen werden. Das sind 1,50 bis 2 Euro pro Schliff. Bei 10 bis 15 Schliffen pro Saison hält ein Ring also drei bis fünf Saisons.
Zum Vergleich: Ein Kind, das alle zwei bis drei Wochen schleifen lässt, kommt im Shop auf grob 100 bis 180 Euro pro Saison. Für eine Familie allein rechnet sich die Maschine also erst nach vielen Jahren – geteilt sieht das ganz anders aus.
Gemeinsam statt allein. Manche Vereine haben eine eigene Maschine. Andere Eltern kaufen eine zusammen. Bewährt hat sich, dass alle die Maschine teilen, aber jede Familie ihren eigenen Schleifring kauft. So schleift jedes Kind auf seinem Radius, und jede Familie nutzt nur ihren eigenen Ring ab.
Wer selbst schleift, übernimmt auch, was sonst der Schleifer macht. Nach dem Schleifen bleibt an den Kanten ein feiner Metallgrat stehen. Den entfernt ihr mit dem Abziehstein – bei beschichtetem Stahl mit dem speziellen Stein. Danach prüft ihr mit dem Kantenprüfer, ob beide Kanten gleich hoch sind, und schreibt den Radius auf, der passt.